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Interview mit Janja Garnbret

Janja Garnbret braucht keine Einleitung.

Hi Janja, wann hast du mit dem Klettern angefangen?
Ich habe mit 6 oder 7 Jahren angefangen. Davor bin ich auf Bäume, Schränke und Türen geklettert. Ich kam mit dem Klettern nicht durch meine Eltern in Kontakt, sondern durch mich. Ich fing an zu Klettern, weil ich es selber wollte.
Dann gab es in Slovenj Gradec, meiner Heimatstadt in Nord-Slowenien, eine Promotion-Wand. Dort wurde ich ins richtige Klettern eingeführt. Die Leute waren beeindruckt und sagte ich solle einem Klub beitreten. Meine Eltern haben mich angemeldet. Ein Jahr später wechselte ich zum Klub in Velenje, wo Gorazd Hren bald anfing, mit mir zu arbeiten.

Wo trainierst du?
Ich trainiere immer noch in Velenje. Es ist eine kleine Boulderhalle, die Wand ist nicht gerade toll. Deshalb fahre ich manchmal nach Mitterdorf oder Innsbruck.

Bist du von Anfang an am Fels unterwegs gewesen?
Meine ersten Schritte machte ich in der Halle. Ich wusste nichts vom Felsklettern. Als ich mit Gorazd Hren zu trainieren anfing, änderte sich das. Ich mag Felsklettern sehr. Man ist draußen und es gibt endlos viele Möglichkeiten um eine Route zu machen. Am Fels verspüre ich keinen Druck um perfekt zu klettern und mich immer stark zu fühlen. Also macht mir alles Spaß, obwohl ich trotzdem schwer klettern will. Nicht für Medien, sondern für mich, für die Seele.

Wo gehst du normalerweise klettern?
Es gibt ein paar gute Gebiete in Slowenien. Kotecnik in der Nähe meiner Heimatstadt, und Misja Pec. Aber ich geh nicht so oft dort klettern weil die Bewerbe mich während der Saison auf Trab halten.

Haben die Bewerbe Priorität?
Ja. Weil ich seit jeher an Wettkämpfen teilnehme, hatte ich noch nicht so viel Zeit an den Fels zu gehen und dort Spaß zu haben. Ich will in Zukunft mehr Fels klettern!

Was bedeutet Wettkampfklettern für dich? Du hast als Jugendliche fast alles gewonnen. Wird es irgendwann langweilig?
Als ich mit Jugend-Bewerben angefangen habe, war es überhaupt nicht langweilig. Ich wollte gewinnen und alles geben: 100%. Als ich dann im Weltcup anfing, wurden die Jugend-Bewerbe ein bisschen langweiliger, weil es nicht die gleiche Herausforderung war. In Weltcups wusste ich nicht ob ich gewinnen kann oder ins Finale komme. Als ich mein erstes Finale in Chamonix erreichte, wusste ich, dass ich aufs Podest klettern kann. Dann habe ich entschieden, mich voll und ganz auf die Weltcups zu konzentrieren. Ich wollte bei den Weltcups alles geben.
Jetzt sind alle Damen wie Anak Verhoeven, Kim Jain, Jessy Pilz und andere sehr gut vorbereitet. Es ist nicht leicht, zu gewinnen. Man muss in Form sein, einen guten Tag haben und alles muss perfekt laufen.

Wieso glaubst du, bist du so stark? Was ist der Unterschied zwischen dir und den anderen?
Ich weiß es nicht. Ich liebe es, zu klettern. Für mich ist das Training keine Last. Im Training kann ich sorglos an die Sache herangehen und 100% geben, sogar wenn meine Haut schon sehr schlecht ist, gefällt es mir. Manchmal sind die Bewerbe ziemlich stressig. Wenn fünf Bewerbe hintereinander kommen und man immer konzentriert sein muss, zum Beispiel. Das kann manchmal hart sein.

Wie sieht "fokussiert sein" bei dir aus?
Ich bin dann in einer anderen Welt. Wenn du mich fragen würdest woran ich dann denke, würde ich es nicht wissen. Ich bin dann komplett von der anstehenden Aufgabe vereinnahmt: wie die Route geht, wie man die Züge gehen. Es ist wirklich cool, aber eben nicht leicht, den Zustand zu halten.

Ab wann bist du bei einem Bewerb fokussiert?
Es beginnt in der Iso-Zone. Es ist jedes Mal gleich. Ich brauche ein wenig Zeit für mich allein um mich zusammenzureißen und vergesse alles um mich herum.

Du hast gesagt, dass es stressig sein kann. Weshalb?
Manchmal denke ich: "Ich muss die Route klettern" und nicht "Ich will die Route klettern". Ich sollte mehr mit dem Herzen klettern. Wenn viele Bewerbe anstehen, wird das schwieriger. Dieses Jahr habe ich versucht mehr über mich und mein Klettern zu verstehen. Letztes Jahr war das alles eine große Herausforderung. Ich habe hinzugelernt. Mittlerweile, in meinem dritten Weltcup-Jahr, wird es besser.

War ein Mangel an Konzentration das Problem bei der EM im Val di Fassa?
Ich war zwei Wochen vorher in Vail beim Boulder Weltcup am Start und hatte mir fehlte das nötige Vertrauen  in meine Fähigkeiten im Lead. Ich glaube, dass ich im Finale nicht genug an mich geglaubt habe, dass ich gewinnen oder die Route durchsteigen könnte. Vielleicht war das mein Fehler.

Wenn du kletterst, sieht es manchmal so leicht aus, dass man nicht weiß ob du die Route nicht ernst nimmst, oder ob das an deinem Kletterstil liegt. Sind die Routen für dich oft leicht?
Ich habe in dieser Saison genau an dem gearbeitet. Ich weiß immer noch nicht ob ich total konzentriert und "wütend" sein soll beim Klettern, oder eher entspannt, nach dem Motto "es kommt wie's kommen muss". Das ist eine schwierige Frage. Ich muss die Balance finden zwischen wütend und entspannt sein.

Du hast bisher einen Erfolg nach dem anderen geholt und bist noch sehr jung. Bist du noch hungrig nach mehr?
Ich habe letztes Jahr die WM gewonnen. Das war ein Lebensziel, aber wie ich schon sagte: Ich will immer stark sein und jedes Jahr besser werden. Vielleicht bekomme ich deshalb nie genug von Bewerben. Ich werde wahrscheinlich mehr bouldern weil ich im Bouldern noch nie bei einer WM dabei war. Die WM im Bouldern ist mein Ziel.

Was denkst du über Innsbruck?
Es ist wirklich cool. Die Halle ist unglaublich. Sie ist so groß, dass man sich drin verlaufen kann. Es gibt Routen und Boulder in jedem Stil. Die Griffauswahl ist auch extrem groß und vielfältig.

Wie ist es mit der WM 2018 in Innsbruck?
Ich finde, dass der Ort für die WM einfach perfekt ist. Die Außenwand ist großartig. Man kann eine geniale Route schrauben, und es könnte super zum Zuschauen sein. Außerdem ist viel Platz für Zuschauer!

Wirst du heuer bei der Jugend- und Junioren-WM in Innsbruck dabei sein?
Leider nicht! Ich hatte viele Bewerbe heuer und fühle mich ein bisschen müde. Um mich ein bisschen zu erholen und gut auf den Rest der Lead Weltcup Saison vorzubereiten, werde ich die Junioren-WM auslassen.

Wirst du 2018 in Innsbruck im Bouldern und im Lead an den Start gehen?
Ja, ich hoffe schon! Wenn Bouldern und Lead im Zeitplan getrennt sind, auf jeden Fall.

Wie schaut es mit den olympischen Spielen aus?
Wie für jeden Athleten ist das für mich auch ein großes Ziel!

Hast du schon mit dem Speed-Training begonnen?
Ich habe die Route nur ein paar Mal geklettert. Nur um ein Gefühl dafür zu kriegen. Kein Training bis jetzt.

Bald bist du mit der Schule fertig. Wird es eine Herausforderung sein, ausser Klettern nichts mehr zu tun zu haben?
Ich weiß es nicht, aber ich will Profikletterin werden. Später dann, wenn meine Karriere vorbei ist, will ich auf jeden Fall im Klettern dabei bleiben, meinen eigenen Klub haben, andere Kinder trainieren und Coach sein.

Ah, du willst auch Coach werden?
Ja! Es wäre echt schade wenn ich mein Wissen übers Klettern nicht mit anderen teilen würde.

Kennst du die Geschichte von Lynn Hill, die nachdem sie die Nose am El Capitan freigeklettert war, sagte: "It goes, boys!"?
Lächelt. Ja!

So muss es dir doch auch gehen, wenn du mit Jungs kletterst?
Vielleicht nehmen's die Jungs manchmal zu ernst, wenn ich mit ihnen klettere. Vor allem auf Leisten bin ich manchmal stärker. Dann sind sie frustriert. Aber das ist nicht meine Absicht! Ich will mich nicht mit ihnen vergleichen, sondern nur probieren, wie sie die Züge machen. Und ich lerne viel von ihnen!

Wie stark bist du am Fels? Bist du 9a geklettert?
Noch nicht! Ich habe einmal welche probiert, aber nicht ernsthaft. Ich hatte einen Tag in Misja Pec. Ich versuchte Martin Krpan und Xadid Hostel, würde aber mehr Zeit brauchen. Ich würde sehr gern nach Céüse fahren und Biographie probieren. Nicht weil es 9a+ ist, sondern weil es so eine unglaubliche Linie ist. Die Route will ich klettern seit ich einen Film gesehen habe in dem Chris Sharma sie klettert, als ich neun Jahre alt war. Margo (Hayes) ist eine große Inspiration für mich. Alle Mädels, die 9a+ probieren!

Wirst du weiter klettern, nachdem du deine Wettkampfkarriere beendet hast?
Ja klar!

Welche Einstellung brauchst du, um zu trainieren? An was denkst du, wenn du aufwachst?
Wenn ich aufwache, bin ich immer motiviert um zu trainieren. Rasttage sind eigentlich schwieriger! Manchmal fühle ich mich nicht sehr gut an der Wand, wenn die Trainingseinheit anfängt. Dann ist es schwer und ich muss mich zum Training zwingen. Ich will fast immer mein Bestes geben, auch wenn meine Haut schlecht ist, ich blute und es weh tut. Ich weiß, dass es sich eines Tages bezahlt macht.

Ich sage mir immer: Schmerz ist temporär. Irgendwann ist er weg. Wenn ich eine Route klettere und extrem gepumpt bin, dann sage ich mir das, pushe mich ein bisschen und gehe über meine Grenzen hinaus.

Wieviel Fortschritte machst du, weil du mehr Erfahrung hinzugewinnst?
Die Leute sagen immer: jetzt hast du Erfahrung. Aber ich weiß nicht so recht.... Ich tue immer nur klettern, ein großer Teil hat mit Erfahrung nichts zu tun. Der mentale Teil ist der, in dem Erfahrung wichtig ist.
Als ich 16 oder 17 war, hatte ich folgendes Problem: wenn ich den ersten Boulder bei einem Wettkampf nicht schaffte, frustrierte mich das unglaublich. Jetzt bin ich erfahrener und weiß: wenn ich den ersten Boulder nicht schaffe, gibt es immer noch die anderen drei. Das sind Sachen, wo Erfahrung hilft.

Sind die Boulder-Wettkämpfe für dich schwieriger?
Nein, im Gegenteil, Boulder-Bewerbe sind leichter. Ich mag Boulder-Wettkämpfe auch lieber. Vielleicht, weil ich entspannter bin. Und es gibt viele Bewerbe und ich kann mich im Laufe des Bewerbs verbessern. Wenn du im Lead Weltcup kletterst, hast du genau einen Versuch, in dem du alles geben musst. Im Bouldern habe ich eher das Gefühl, dass jeder Boulder eine neue Chance ist.

Bist du im Bouldern motivierter weil du weniger Titel gewonnen hast?
Ja, vielleicht ist das auch ein Grund. Ich weiß, dass ich im Bouldern noch vieles besser machen kann. Wenn ich bei Lead Weltcups mitklettere, habe ich das Gefühl, dass die Leute denken "Janja wird fix gewinnen, da brauche ich nicht zuschauen", wodurch ich den Druck verspüre, gewinnen zu müssen. Im Bouldern kann sich von einer Runde zur nächsten Runde alles ändern. Ich glaube, dass im Bouldern mehr beweisen kann.

Stehst du oft unter Druck?
Im Bouldern: Nein. Im Lead: Ja.

Ist das schwer für dich?
Ich habe gelernt, mit dem Druck sehr gut umzugehen. Ich kann mich gut konzentrieren. Ich liebe das Klettern so sehr, dass ich alles um mich herum vergesse.

Was sind deine Stärken und deine Schwächen im Klettern?
Meine Schwäche ist vielleicht, dass ich bei Sprüngen und komischen Zügen mehr Versuche brauche. Mein Coach weiß mehr. Lacht. Meine Stärke sind Leisten und Blockierer.

Warst du von Natur aus immer schon stark, oder ist das alles das Ergebnis deines Trainings?Ich war von Anfang an ziemlich stark. Wichtiger war aber, dass ich von Anfang an sehr motiviert war und mich ziemlich gut und dynamisch bewegen konnte. Aber das alles war nur Talent! Harte Arbeit ist viel wichtiger. Ich bin eine sehr fleißige Person. Ich will trainieren. Ich will die Beste sein.

Kaffee oder Tee? Kaffee
Berge oder Strand? Strand
Céüse oder Misja Pec? Ich war noch nie dort, aber trotzdem... Céüse 
Gesamtweltcupsiegerin oder Weltmeisterin? Weltmeister!
Der beeindruckendste Wettkampfkletterer aller Zeiten ist... Jain Kaim bei den Mädels und bei den Jungs natürlich Domen! Lächelt. Wenn ich jemand anderes aussuchen muss, ist das Adam!
Die beste Route der Welt ist... Illusia in Kotecnik.
Mein bester Moment als Kletterer war... das Gefühl als ich das Top in Paris einhängte und Weltmeister wurde.

Danke für deine Zeit, Janja!



 

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