Englisch

Kletter-WM geht in die zweite Woche

Mit zwei Goldmedaillen am ersten Wochenende erwischte der Kletterverband Österreich einen Traumstart in die Heim-WM in Innsbruck. Im Vorstieg der Damen holte Jessica Pilz den Titel, im Vorstieg der Herren war es Jakob Schubert. Heute steht der einzige Ruhetag der WM an. Morgen Dienstag (11.09.) beginnen die Wettkämpfe in den Disziplinen Bouldern und Paraclimbing. Im Bouldern sind 287 AthletInnen am Start, im Paraclimbing sind es 139. Damit hat sich das Startfeld seit der letzten WM im Paraclimbing verdoppelt. Für Österreich gehen 16 BoulderInnen und 10 ParaclimberInnen an den Start. Am Donnerstag folgt Speed, wo 244 Starter registriert sind.

Innsbruck (AUT): Nachdem die Medaillen im Vorstieg vergeben sind und die Freude im österreichischen Lager nach zweimal Gold nicht größer sein könnte, stehen nun die Bewerbe in den weiteren Disziplinen an. Am Dienstag und Mittwoch werden die Qualifikationen im Bouldern und Paraclimbing im Kletterzentrum Innsbruck ausgetragen. Am Donnerstag gehen die ersten Finalrunden im Paraclimbing und alle Entscheidungen im Speed in der Olympiaworld über die Bühne. Freitag und Samstag stehen dann ganz im Zeichen der Finalrunden im Bouldern, bevor am Sonntag das mit Spannung erwartete Kombinationsfinale im olympischen Format ausgetragen wird.

Boulder-Titelverteidigerin Petra Klingler hat starke Konkurrenz und blickt auf die Kombination
Aus internationaler Sicht sind alle Damen, die heuer im Weltcup am Podest standen, bei der WM am Start. Janja Garnbret (SLO), Gesamt-Weltcupsiegerin Miho Nonaka (JPN), Akiyo Noguchi (JPN) und Fanny Gibert (FRA) sind die großen Favoritinnen. Titelverteidigerin Petra Klingler (SUI) erklärte heute, wie ihr Sieg in Paris 2016 ihr Leben verändert hat: "Der WM-Titel 2016 hat definitiv mein Leben verändert und auch in der Schweiz hat es einiges ausgelöst. Mittlerweile darf ich aufgrund des Weltmeistertitels ein professionelles Athletenleben führen, dafür bin ich sehr dankbar!" Bei der WM in Innsbruck blickt sie gespannt auf die Kombination: "Ich habe immer noch großen Fokus auf das Bouldern, aber auch Lead und Speed miteingenommen. Vor allem im Speed brauche ich Übung. Bei der Kombination werden wir sehen, wo die anderen Athleten stehen, und woran ich noch arbeiten muss, um dann nächstes Jahr bereit zu sein."

Titelverteidiger Tomoa Narasaki (JPN) genießt den Druck
Bei sieben Boulder-Weltcups gab es heuer sieben verschiede Sieger bei den Herren. Dementsprechend groß ist die Zahl der Medaillenkandidaten. Gesamt-Weltcupsieger Jernej Kruder (SLO) und Titelverteidiger Tomoa Narasaki (JPN) waren 2018 die konstantesten Boulderer. Narasaki sprach heute über den Druck, mit dem man als Titelverteidiger umgehen muss: "Ich würde sagen, dass ich unter einem gewissen Druck stehe. Ich bin aber stolz, diese hohen Erwartungen zu verspüren, weil das nicht jeder erleben darf. Ich möchte diesen Druck genießen. Eine größere Bühne treibt mich noch mehr an."

Jakob Schubert geht mit Weltcup-Podestplatz im Rücken in die Boulderbewerbe
Jakob Schubert ist am 18. August zum ersten Mal seit 5 Jahren wieder auf dem Boulder-Podest gestanden. Der Innsbrucker hat 2018 im Boulder Weltcup zwei vierte und einen dritten Platz verbucht und damit gezeigt, dass er nicht nur in seiner Paradedisziplin Vorstieg zur Weltspitze gehört. " Die Qualifikation im Bouldern wird sehr wichtig für mich. Bouldern ist auf jeden Fall die zweite Disziplin, die ich gerne mache. Es kann sehr gut laufen und alles ist möglich. Manchmal kann es halt auch schon in der Qualifikation vorbei sein. Deswegen weiß ich, dass im Bouldern die Qualifikation der wichtigste Schritt zum Erfolg ist", so Jakob Schubert heute Vormittag. Mit Alfons Dornauer, Elias Weiler, Florian Klingler, Jan-Luca Posch, Matthias Erber und Georg Parma gehen sechs weitere Österreicher an den Start.

Katharina Saurwein auf Abschiedstournee 
Morgen beginnt für Katharina Saurwein der letzte internationale Bewerb ihrer langen Karriere, in der sie insgesamt 110 Weltcups bestritten hat. Die Weltcup-Siegerin (Moskau 2008) und EM-Dritte (Innsbruck 2015) wird nach der Heim-WM ihre Karriere beenden. "Meine Vorfreude ist riesengroß und Jessy und Jakob haben mich und das ganze Team noch zusätzlich motiviert. Ich hoffe auf coole Boulder die mir liegen. Es wäre für mich ein Traum, in das Halbfinale zu kommen und dann in der Olympiaworld vor Heimpublikum klettern zu können", so die 30-jährige Innsbruckerin bei der heutigen Pressekonferenz. Mit Jessica Pilz, Johanna Färber, Sandra Lettner stehen drei Athletinnen im KVÖ-Aufgebot, die heuer im Weltcup ins Finale geklettert sind. Außerdem gehören Laura Stöckler, Karoline Sinnhuber, Franziska Sterrer und Berit Schwaiger zum KVÖ-Aufgebot.

Österreichische Paraclimber feiern WM-Premiere
Nachdem das Projekt Paraclimbing in Österreich vor rund zwei Jahren in Vorarlberg und Tirol gestartet wurde, steht an den kommenden drei Tage der vorläufige Höhepunkt dieser Entwicklung an, wenn das KVÖ-Paraclimbingteam zum ersten Mal bei einer Weltmeisterschaft startet. Insgesamt gehen 10 ÖsterreicherInnen bei den Weltmeisterschaften im Paraclimbing in Innsbruck an den Start. Katharina Saurwein war als Nationaltrainerin seit Beginn des Projekts dabei und sagte bei der Pressekonferenz: "Es war eine sehr intensive Zeit und einer eine große Herausforderung, die wir aber meiner Meinung nach gut gemeistert haben. Ich wünsche allen AthletInnen eine gute Zeit bei diesem Highlight! Insgesamt ist das Paraclimbing sehr gewachsen und ich denke es wird auch in Zukunft in diese Richtung weitergehen."
Morgen Dienstag (11.09.) ab 17 Uhr werden am Außenturm im Kletterzentrum Innsbruck die ersten Qualifikationsrunden ausgetragen. Bei den Herren stehen die Qualifikationen in den Kategorien RP1, RP2, RP3 an. RP steht für Neurologische Erkrankung. Je niedriger die Zahl, desto schwerer ist die Erkrankung. Bei den Damen kommen die Kategorien RP2, RP3, AU2 (Amputee) und AL2 (Seating) zur Austragung. In den RP-Kategorien sind für den KVÖ Jasmin Plank (OeAV Innsbruck, TIR) (RP3), Sandra Pollak (OeAV Klagenfurt, KNT) (RP2), Daniel Wiener (NFÖ Vöcklabruck, OÖ) (RP3) und Bostjan Halas (OeAv Liezen, STMK) (RP2) am Start.
Am Mittwoch stehen ab 18 Uhr die Qualifikationsrunden in den Kategorien B1, B2 (Sehbehinderung), sowie AL2 und AU2 an. In der Kategorie B2 gehen mit Hans Ewald Grill (VSC Versehrtensportclub ASVÖ, W), Roland Köchl (OeAV Klagenfurt, KNT) und Edith Scheinecker (NFÖ Linz, OÖ) drei KVÖ-AthletInnen an den Start. In der Kategorie AL2 starten Angelino Zeller (NFÖ Seiersberg-Pirka) und Daniel Kontsch (ÖAV Graz). Markus Hofbauer (OeAV Austria, W) ist in der Amputee-Kategorie AU2 am Start.

Paraclimbing-Finalrunden am Donnerstag und am Freitag
Am Donnerstag, den 13.9., gehen die Finalrunden in den Kategorien F-B2, F-AU2, und mehreren RP-Kategorien schon zwischen 12:30 Uhr und 16:00 Uhr über die Bühne. Am gleichen Tag geht es um 18:00 Uhr mit den Kategorien F-RP3, F-AL2, M-B2 und M-B1 weiter. Am Freitag, den 14.9. stehen die letzten Finalrunden an. Ab 17:45 Uhr messen sich die AthletInnen der Kategorien M-AU2 und M-AL2. In jedem dieser Finalblöcke ist eine österreichische Beteiligung möglich.


Speed-Entscheidungen am Donnerstag
Am Donnerstag (13.9.) beginnen um 9 Uhr die Qualifikationsläufe der Damen. Die Herren folgen um 13 Uhr. Um 20 Uhr kommt es in der Olympiaworld zum Showdown, wenn die besten 16 Speed-AtheltInnen sich um Gold duellieren. Im KVÖ-Herren-Aufgebot Lukas Knapp, Matthias Erber, Tobias Plangger, Jakob Schubert und Georg Parma. Bei den Damen gehen Laura Stöckler, Jessica Pilz und Sandra Lettner als Kombiniererinnen an den Start. Außerdem starten die Speed-Spezialistinnen Laura Lammer, Alexandra Elmer und Nina Lach.

Kombinierer können im Bouldern das Kombi-Finale fixieren
Für die österreichischen Kombinierer um Jakob Schubert und Jessica Pilz geht es im Bouldern nicht nur um ein gutes Ergebnis in der Einzeldisziplin, sondern auch um wichtige Punkte für den Einzug ins Kombinationsfinale am Sonntag, den 16.9., bei dem zum ersten Mal das olympische Format ausgetragen wird. Mit Rang 1 im Vorstieg ist die Ausgangspostion für Jessica Pilz und Jakob Schubert ideal.

Text: Ben Lepesant

Facts

2000 Griffe

58 NATIONEN

834 ATHLETEN

20.000 FREIWILLIGE ARBEITSSTUNDEN

500 KG CHALK

Climb. Come together. Celebrate!